Klatsch und Tratsch - warum wir so gern über andere lästern

Klatsch und Tratsch auf Jugendreisen
Klatsch und Tratsch auf Jugendreisen
Keiner gibt es gern zu, doch klatschen und tratschen gehört zu den Dingen, die fast alle Menschen zumindest gelegentlich tun. Meist sind Klatsch und Tratsch harmlos und schädigen niemanden. Manchmal jedoch können die aus dem Klatsch geborenen Gerüchte andere Menschen verletzen und ihnen echte Probleme bereiten.

Klatsch und Tratsch – was ist das eigentlich?

Es wird dich vielleicht überraschen, aber das Lästern über andere findet in nahezu allen Kulturkreisen statt. Es ist auch kein Problem der Gegenwart. Menschen haben schon immer gern hinter ihrem Rücken über ihre Mitmenschen hergezogen. Früher galt der Klatsch zwar als verpönt, doch er hatte durchaus seinen Sinn. Er stellte die soziale Ordnung sicher. Kein Mensch - damals wie heute - hat es gern, wenn über ihn geklatscht wird. Deshalb bemühten sich die meisten, nicht aufzufallen und keinen Anlass für Tratsch zu geben. Dadurch verhinderten sie, als Außenseiter abgestempelt zu werden. Verfehlungen waren deshalb eher selten. Ein bisschen ist das auch heute noch so. Du magst es sicher auch nicht, wenn deine Klassenkameraden oder Freunde hinter deinem Rücken über dich lästern, und versuchst deshalb, dich der Gruppe anzupassen.

Wer tratscht über wen?

Es gibt kein Thema und keine Peinlichkeit, über die nicht geklatscht wird. Eine komische Haarfrisur dient ebenso als Klatschthema wie der neue Freund oder ein Missgeschick, das jemandem unterlaufen ist. Ganz häufig entwickeln sich daraus Gerüchte, die in Umlauf gebracht werden. Besonders gern klatschen wir über die Freunde und Klassenkameraden, die Lehrer und Nachbarn oder andere uns nahestehende Menschen.

Klatschen über VIPs, Royals und Promis

Eine Personengruppe, über die mit am häufigsten geklatscht wird, kennen wir nicht persönlich. Es handelt sich dabei um Promis. Vom Schauspieler über einen Musiker oder Royal bis hin zum Star der neuesten Casting-Show ist kein VIP vor Klatsch gefeit. Viele Promis nutzen das Mittel des Klatsches sogar, um einen neuen Film zu promoten, die neue Single vorzustellen oder einfach im Gespräch zu bleiben. Klatsch und Tratsch über Promis finden wir in Boulevardblättern, auf speziellen Internetseiten oder in Fernsehbeiträgen. Wer prominent ist, hat kaum eine Möglichkeit, dem Klatsch zu entgehen. Alle Neuigkeiten werden sofort weiterverbreitet, sei es über den Facebook-Account, Twitter oder dem Promiblog im Netz. Die meisten können damit leben, nur manchmal setzen sie sich dagegen zur Wehr, wenn der Tratsch überhandnimmt und rufschädigend wird.

Nicht nur Promis, sondern auch uns unbekannte sogenannte Normalos sind begehrte Klatschopfer. Im Fernsehprogramm gibt es mittlerweile zahlreiche Sendungen, die mehr oder weniger normale Menschen oder Familien in ihrem Alltag begleiten und dem Zuschauer die Möglichkeit geben, ganz private Details zu erfahren. Dazu gehören auch Talkshows, in denen die Anwesenden sehr persönliche Informationen preisgeben.

Warum tratschen wir so gern über andere?

Die Frage, warum wir so gern über andere herziehen, können auch die Fachleute nicht genau beantworten. Eine Erklärung könnte in unserem oft mangelnden Selbstbewusstsein liegen. Meist sind es peinliche oder negative Dinge, über die geklatscht wird. Wenn wir also über die Schwächen oder Auffälligkeiten anderer tratschen, fühlen wir uns besser. Das fördert unser Selbstbewusstsein. Ein bisschen Neid dürfte auch dabei sein. Wenn jemand etwas Besonderes geleistet hat, kann er sicher sein, dass viel über ihn geklatscht wird. Irgendetwas Schlechtes, mit der sein Erfolg geschmälert wird, lässt sich über jeden finden. Mit Klatsch und Tratsch lassen sich abwesende Personen gut herabsetzen, ohne dass die Tratschenden demjenigen ins Gesicht schauen müssen.

Der Grund, warum Klatsch über Promis oder Royals so hoch im Kurs steht, ist den Experten ein Rätsel. Wenn wir ganz intime Dinge über die Schönen und Reichen erfahren und weiterverbreiten, befriedigen wir damit möglicherweise unsere Sehnsüchte. Wer wäre nicht gern reich und berühmt? Mancher Tratsch gerade über Royals haben den Platz moderner Märchen eingenommen. Ein Hauch von Romantik, den wir im Alltag häufig vermissen, versüßt uns den Tag.

Mädchen klatschen – Jungen auch!

Geklatscht und getratscht wird vorwiegend von Mädchen und Frauen – so jedenfalls wird es häufig behauptet. Das ist jedoch ein Irrglaube. Jungen und Männer ziehen genauso über andere her wie weibliche Personen. Der Grund für das Vorurteil liegt in der Vergangenheit. Früher gab es überall Waschweiber. Sie gingen von Haus zu Haus und sammelten Wäsche zum Waschen ein oder lieferten die fertige Wäsche wieder aus. Dabei erfuhren sie überall Neuigkeiten, die sie im nächsten Haus weitererzählten. So verbreiteten Gerüchte sich schnell und der Begriff Waschweib wurde mit dem Wort Klatschweib gleichgesetzt. Aber wie gesagt, Jungen klatschen genauso viel wie Mädchen, nur die Themen können andere sein.

Harmloser Klatsch oder üble Nachrede?

Die meisten Klatschgeschichten sind harmlos und schädigen niemanden. Wenn wir über den Lehrer herziehen oder uns auf der Jugendreise über die Klamotten anderer Reisekameraden lustig machen, ist das vielleicht peinlich aber auch schnell wieder vergessen. Anders ist es, wenn durch den Klatsch Gerüchte in die Welt gesetzt werden, die dem Betroffenen richtig wehtun oder ihm sogar Schaden zufügen. Dann hört der Spaß auf. Wenn in der Klasse oder auf der Jugendreise die Tratscherei zum echten Mobbing wird, solltest du einschreiten, dich aber zumindest nicht weiter daran beteiligen. Verletzende Klatschgerüchte weiterzuverbreiten ist unfair, egal ob mündlich in der Gruppe oder gar über das Internet. Überlege dir vorher stets, ob du eine harmlose Klatscherei oder eine üble Nachrede weitererzählst.

Böse Gerüchte aus der Welt schaffen

Hat sich der Klatsch erst einmal selbstständig gemacht, ist es ganz schwierig, falsche Gerüchte aus der Welt zu schaffen. Gerade im Internet halten sich solche Geschichten über Jahrzehnte. Da hilft oft nicht einmal eine Richtigstellung des Betroffenen oder desjenigen, der das Gerücht verbreitet hat. Manchmal hilft nur, das Gerücht zu ignorieren und darauf zu hoffen, dass Gras über die Sache wächst.

Suche
Suchen
asd