Reiseführer Italien

Die Apenninen Halbinsel mit den bezaubernden Küsten an der Adria und dem Tyrrhenischen Meer ist schon seit Jahrzehnten Reiseziel vieler Touristen. Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe hat mit seinem Werk die Italienischen Reise die Beliebtheit des Reiselandes gesteigert. Aber auch, wenn die Deutschen bekanntlich das Volk der Dichter und Denker sind, kommen die wenigsten Touristen wegen dieses Reiseberichts nach Italien. Bereits in den 1950ern war Italien das Traumziel vieler Deutscher. Um die Reisewelle zu bewältigen, entstanden noch vor Beginn der 60er Jahre 323 Zeltplätze in Italien, die 900.000 Gäste beherbergen konnten. Die Plätze waren damals so abenteuerlich wie die Anreise. Man fuhr über die Alpenpässe mit bis zur Dachkante beladenen Volkswagen oder Vespas und Mopeds. Schon in der Vergangenheit war das Land überaus beliebt, die meisten Reisenden blieben allerdings und prägten den Charakter des Landes. Kaum ein anderes Reiseland erscheint den Deutschen so vertraut. Trotzdem gibt es viel Überraschendes zu entdecken. Wusstest du, dass es in dem Land Wölfe, Schlangen und Haie gibt?

Eine bunte Völkermischung mit vielfältiger Kultur

Vielleicht strömen so viele Deutsche nach Italien, weil Sie ihren Vorfahren nachreisen. Immerhin verdankt das Land diesen seinen Namen. Er geht auf die Italiker oder Italer zurück. Diese indogermanischen antiken Völker und Stämme wanderten etwa von 1200 bis 1000 v. Chr. über die Alpen ein. Schon damals hatten die Völker nördlich der Alpen einen unwiderstehlichen Drang, in das Gebiet zu ziehen. Die dort siedelnden Etrusker wurden nicht vertrieben. Es entstand im Norden des heutigen Italiens eine Mischbevölkerung, zu der sich später noch Gallier gesellten. Die Römer, die das Land lange Zeit beherrschten, waren Etrusker. Der Name der Stadt geht vermutlich auf das etruskische Geschlecht Rumina zurück. Historisch belegt ist, dass sich einige latinische und sabinische Dörfer etwa 800 v. Chr. zu einer Stadt vereinigten. Diese Stadt wurde zu einer machtvollen Metropole und beherrschte bald den gesamten Mittelmeerraum. Die aus dem Norden stammenden Italer trugen, wie viele andere Verbündete, zur Ausweitung des römischen Machtbereichs bei. Im Gegensatz zu anderen Völkern wurden die Bewohner der Region zu Bürgern Roms erklärt. Das heutige Norditalien wurde also eine bevorzugte Provinz.

Später eroberten die Goten Rom und besetzten den Norden des Landes. Es wurde Teil des Frankenreichs und später des Deutschen Reichs. Im Süden ging es noch bunter zu, hier stritten sich Byzantiner, Araber und Karthago um das Land. Der Staat Italien wurde erst im ausgehenden 19. Jahrhundert gegründet. Zuvor gab es im Norden verschiedene Königreiche, von denen aber die meisten von fremden Königshäusern regiert wurden.

In dieser Zeit dürfte sich die eher lässige Einstellung der Bevölkerung gegenüber der Obrigkeit herauskristallisiert haben. Die Mischung aus verschiedenen Kulturen machte die Italiener zu umgänglichen und geselligen Menschen. Wenn du gerne feierst, wird es dir in Italien gefallen. Du findest nahezu immer Gleichgesinnte, mit denen du in geselliger Runde zusammen sein kannst. Eines ist allen Italienern gemeinsam: sie sind stolz auf ihre Nation, auch wenn es keine einheitlichen Wurzeln gibt.

Die italienische Küche

Bis heute gibt es einen großen kulturellen Unterschied zwischen Nord- und Süditalien. Die typischen italienischen Gerichte Pizza und Pasta gehören zur südlichen Küche. Im Norden sind eher Antipasti zu Hause. Der Begriff bedeutet Vorspeisen, er hat nichts mit Nudeln zu tun. Typischerweise bekommst du kleine Portionen Wurst und Schinken, die an der Luft getrocknet wurden. Auch in Olivenöl eingelegtes Gemüse wie Auberginen, Zucchini oder Paprika sowie marinierte Fische und Meeresfrüchte sind sehr beliebt. Bekannt sind geröstete Brotscheiben mit einem pikanten Belag, die als Bruschetta bezeichnet werden.

Sprachen in Italien

Falls du in der Schule Italienisch gelernt hast, wirst du damit in Italien weiter kommen. Aber es gibt sehr verschiedene Ausprägungen der Sprache. Bedingt durch die vielen verschiedene Völker, die lange, durch Kleinstaaten geprägte Geschichte und auch die vielen einsamen Täler, wirst du in Italien auch auf andere Sprachen stoßen. In den Alpen (Tirol) ist auch Deutsch und Ladinisch Amtssprache, im Aostatal ist Französisch eine der offiziellen Sprachen. In Friaul-Julisch Venetien spricht man auch Slowenisch. Falls du in den Alpen unterwegs bist und so etwas wie Bayrisch hörst, müssen nicht unbedingt Touristen aus dem Bundesland unterwegs sein. Vielleicht sprechen Einheimische Fersentalerisch oder Zimbrisch miteinander.

Das Schulsystem des Landes

Auch falls dein Italienisch sich auf Vino, Pizza und Pasta beschränkt, stehst du vor keiner unüberwindlichen Sprachbarriere. Die meisten Italiener beherrschen ein wenig Englisch. Das Schulsystem gliedert sich in 4 Stufen. Die Vorschule ist keine Pflicht und beginnt mit 3 Jahren. Sie endet mit 6, wenn die Kinder in die Grundschule (scuola primaria) kommen. Daran schließt sich die Mittelschule (scuola secondaria di primo grado), die üblicherweise von 11- bis 14-jährigen besucht wird, an. Zusätzlich gibt es verschiedene Oberschulen (scuola secondaria di secondo grado), deren Besuch bis zum 19. Lebensjahr üblich ist. Die Schulpflicht betraf früher Kinder von 6 bis 14, seit dem Ende der 1990er endet sie erst nach dem 15. Lebensjahr. Zusätzlich besteht eine Pflicht zur Ausbildung bis zum 18. Lebensjahr. Du kannst also davon ausgehen, dass jeder Italiener die Grund- und die Mittelschule besucht hat. Englisch wird in Italien bereits in der Grundschule unterrichtet, in der Mittelschule lernen die jungen Italiener eine weitere Fremdsprache. Du wirst also meist verstanden, wenn du Englisch sprichst. Besonders im Norden von Italien sprechen viele Italiener auch Deutsch.

Wilde Tiere, ein Land voller Abenteuer

Italien findet vermutlich jedes Kind auf der Landkarte, denn die Stiefelform ist unverkennbar. Im Norden beginnt das Land in den Alpen, von dort zieht sich die Gebirgskette Apennin durch das ganze Land und endet erst weit im Süden im Mittelmeer. Im gesamten Gebirge leben Wölfe, eine Unterart, die es nur in Italien gibt. Die Tiere sind scheu, trotzdem löst schon allein der Gedanke an die Raubtiere leichte Gruselschauer aus. In bewaldeten Gebieten könntest du auf eine etwa 1,60 m lange Schlange treffen. Du hast nichts zu befürchten, es ist eine harmlose Äskulapnatter. Östlich der Apenninen läuft das Land flach zur Adria aus, westlich davon erstreckt sich das Tyrrhenische Meer. Dort schwimmen viele Fische, auch Haie. Keine Angst, der weiße Hai ist im Mittelmeer nicht vertreten. Trotzdem ist es ein spannender Gedanke, in einem Gewässer mit Haien zu schwimmen. Die Gefahr, in einen Seeigel zu treten, ist größer, als von einem Hai gebissen zu werden, daher solltest du im Wasser Badeschuhe tragen.

Jugendreisen nach Italien

Die Lebensfreude der Italiener und die vielen Strände locken jedes Jahr viele Jugendliche aus vielen Ländern ins Land. Verschiedene Regionen sind außerordentlich beliebt. Rimini an der Adria gilt als der Geheimtipp für Partyreisen. Neben Partys in angesagten Clubs kannst du Ausflüge in den Zwergstaat San Marino oder nach Venedig unternehmen. Natürlich kommen auch Strandaktivitäten nicht zu kurz.

Vada am Tyrrhenischen Meer lockt mit Ausflügen nach Pisa und Florenz. Die Stadt steht in keinem Zusammenhang zur bekannten PISA-Studie. Dort steht der berühmte schiefe Turm, der eigentlich im Jahr 1173 als Glockenturm für den Dom errichtet werden sollte. Als der Bau die dritte Etage erreicht hatte, begann er, sich zu neigen. Die Menschen trauten sich zunächst nicht, weiter zu bauen. 100 Jahre später wurden dann 4 weite Etagen gebaut. Wenn du genau hinsiehst, erkennst du, dass diese Etagen schräg auf den Stumpf gebaut wurden, weil man die Neigung ausgleichen wollte. Ob Galileo Galilei hier die Fallgesetze aufgestellt hat, ist nicht bewiesen. Hier in der Toskana wird natürlich auch gerne gefeiert, aber es werden auch Sprach- und Sportreisen angeboten.

Neapel sehen und sterben

Der Spruch “Vedi Napoli e poi muori“ wird gerne zitiert und im Deutschen falsch wiedergegeben. Goethe erwähnte diese neapolitanische Redensart in seiner Italienischen Reise. Wörtlich übersetzt heißt sie “Siehe Neapel und stirb dann!“ Goethe verstand das Zitat in dem Sinn, dass man nach einem Besuch der Stadt beruhigt sterben könne, denn es gibt nichts Schöneres mehr zu erleben. Es könnte natürlich sein, dass der Dichter etwas falsch verstanden hat. Muori heißt zwar Sterben, “poi muori“ würde demnach “dann stirb“ heißen. Aber vermutlich war ihm nicht bekannt, dass es auch eine kleine Ortschaft bei Neapel mit dem Namen Muori gibt. Vielleicht sagten die Einheimischen nur “Schau dir Neapel und dann Muori an.“ Es ist müßig, sich darüber Gedanken zumachen. Die Stadt ist sehenswert und ganz in der Nähe in Marina di Casal Velino gibt es ein schönes Bungalowdorf für Jugendliche.

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