Kulinarisches in Frankreich

Kulinarisches in Frankreich
Kulinarisches von Frankreich
„Essen – wie ein Gott in Frankreich“ - diesen Satz hast du garantiert irgendwo schon einmal gehört oder gelesen. Neben dem Spruch, dass viele Köche den Brei verderben würden, ist er weltweit wohl am engsten mit dem Thema Essen verbunden und wahrscheinlich sogar im entlegendsten Hinterland bekannt. Und das nicht umsonst. Kaum eine Nation versteht es, so zu kochen wie die Franzosen es tun, so zu geniessen und so viel Anerkennung dafür zu ernten. Der Franzose ist dabei aber keineswegs einfach nur stolz auf seine Küche und Esskultur, wie man das bspw. aus Italien oder Spanien kennt, nein, er hat sie regelrecht zu einem nationalen Heiligtum erklärt. Französische Küche ist ein echtes Kulturgut. Das fand auch die UNESCO, die sie 2010 als immaterielles Kulturgut zu einem Weltkulturerbe ernannte. Damit steht die französische Küche auf einer Stufe mit beispielsweise der chinesischen Kalligrafie, dem Flamenco (Tanz) oder auch diversen kulturellen Bräuchen auf der ganzen Welt. Wie wichtig diese Ernennung tatsächlich ist, zeigt sich in der Tatsache, dass außer der - offiziell als „französisches gastronomische Mahl“ bezeichneten – französischen Küche nur noch die Mittelmeerküche und auch nur in ihrer Gesamtheit als Weltkulturerbe anerkannt wurde.

Das macht die französische Kochkunst aus

Die französische Küche begann bereits im 17. und 18. Jahrhundert starken Einfluss auf die Küche ganz Europas zu nehmen. Sie entstammt dem französischen Adel, der damals kulturell als führend galt. Kurzum: die Franzosen hatten halt einfach Stil, sogar beim Essen. Sie haben das mehrgängige Menü eingeführt und damit auch eine neue Einstellung zum Essen, die sich bis heute nicht verändert hat: Es soll Vergnügen bereiten und nie in Eile stattfinden. Eine Mentalität, die man auch aus dem Mittelmeerraum kennt, und tatsächlich existieren bspw. italienische Einflüsse, die Nationalküche Frankreichs ist aber dennoch eine vollkommen eigenständige. Nicht nur das Essen selbst soll Freude bereiten und ohne Hektik einher gehen, auch das Kochen selbst. Neben dem Geschmack und der Präsentation ist also auch der Vorgang des Kochens geradezu ritualisiert. Und kaum ein Koch auf der Welt ist gekränkter, wenn es dem Gast nicht gemundet hat, als ein französischer. Er besteht lieber darauf, dir dein Gericht gratis noch einmal zuzubreiten und zu servieren, als auf sich sitzen zu lassen, dass du sein Essen nicht mochtest.

Typisch französisch – was ist das?

Baguette, Croissant und leckerer Wein sind wohl die ersten Gedanken in Bezug auf französisches Essen, tatsächlich ist es aber um ein Vielfaches mehr als nur das. Dabei muss man etwas differenzieren, denn es existiert zum einen die gehobene Nationalküche (Haute Cuisine), also das landestypische Essen, sowie die gehobene gastronomische Küche (Grande Cousine). Außerdem muss man regional unterscheiden, da Frankreich mehrere Klimazonen hat, die Regionalküche daher also auch unterschiedlichste Zutaten verwendet. Die berühmte Bouillabaisse (Fischsuppe) wirst du daher also in einem Pariser Restaurant eher weniger antreffen, obwohl typisch französisch, im Süden hingegen sehr häufig. Grundsätzlich gilt aber überall, dass ausschließlich hochwertige und frische Zutaten zum Einsatz kommen, sehr viel Wert auf eine korrekte Zubereitung gelegt wird und der Anspruch insgesamt auch sehr hoch ist. Dieser Anspruch wird übrigens auch an den Gast gestellt: in keinem anderen Land ist Etikette (also die zum Restaurant passende Kleiderwahl) so wichtig wie hier. Außerdem legt man Wert auf Umgangsformen, Höflichkeit und es wird eine gewisse Wertschätzung vom Gast erwartet, dem Personal gegenüber, der Küche und den anderen Gästen. Es wird dich daher also wohl auch kaum erstaunen, dass der französische Koch von seinem Gast ein Mindestmaß an Geschmack erwartet, denn immerhin bereitet er dir ein einzigartiges Mahl.

Französische Klassiker

Baguette und Croissant haben wir ja bereits erwähnt, die Bouillabaisse auch. Ein weiteres Gericht, das du vermutlich spätestens durch den gleichnamigen Film kennst, ist Ratatouille. Dabei handelt es sich um geschmortes Gemüse, typisch für den Süden Frankreichs und speziell Nizza. An diesem Gericht zeigt sich, dass der Franzose es versteht, selbst aus eher bescheidener Hausmannskost – einem sogenannten Bauernessen – etwas Vorzügliches zu zaubern, das inzwischen weltbekannt ist. Besonders auch bei den Süßspeisen überzeugen die Franzosen die Welt: die Crème brûlee gehört heute sogar für jeden gehobenen Hobbykoch in die Liste der Dinge, die er kennen und können muss, das Eclair zählt zu den kleinen Köstlichkeiten, die du unbedingt probiert haben musst und vom Weihnachtsmarkt kennst du bestimmt auch Crepes – ebenfalls eine Erfindung der Franzosen. Du stehst auf deftige Zwiebelsuppe? Die stammt direkt aus Paris. Und das französische Pendant zur Pizza, der Flammkuchen, kommt aus dem Elsass im Osten des Landes.

Kulinarische Experimente und Besonderheiten

Du hast bestimmt schon einmal davon gehört, dass auf französischen Tellern gerne einmal Froschschenkel landen, wodurch die Franzosen auch ihren eher weniger schmeichelhaften Spitznamen haben. Einfach nur ein Gerücht? Oder ist da wirklich was dran? Nun – sagen wir einfach: beides. Wahr ist, dass die Franzosen tatsächlich eine Zubereitungsmethode für Froschschenkel kennen. Du wirst sie hauptsächlich in den Regionen um Nizza herum antreffen – sie werden in Olivenöl gebraten und mit Knoblauch, Gewürzen und Zitrone serviert. Froschschenkel gelten als Spezialität dort. Nicht ganz so wahr ist, dass sich alle Franzosen auf diese kleine Delikatesse stürzen: der Einheimische ist hier insgesamt ähnlich skeptisch wie der Tourist. Das gilt übrigens nicht nur für Froschschenkel, sondern auch für Weinbergschnecken, die ebenfalls als Delikatesse gelten, aber längst nicht jedem das Wasser im Munde zerlaufen lässt. Anders sieht das mit Lammfleisch aus, wenn du es aus der Bretagne bestellst. Dort passiert etwas ganz Besonderes: Der vom Meer kommende Wind zieht hier über die Weiden und versalzt sie regelrecht. Die hier gezüchteten Lämmer fressen von den Salzwiesen, wodurch ihr Fleisch später seinen typischen, völlig natürlichen leicht salzigen Geschmack erhält. Die Franzosen haben für diesen Geschmack sogar einen eigenen Namen: pré-salé.

Was erwartet mich sonst so an französischen Köstlichkeiten?

In ländlicheren Gegenden wirst du auf deftige Eintöpfe stossen, in Küstenregionen viel auf Fisch und Meeresfrüchte. Von Pasta sind die Franzosen weniger ein Freund, du wirst daher hauptsächlich auf Gemüse, Fleisch und Geflügel treffen, allerdings bei weitem nicht so schwer und deftig wie bei uns. Die Portionen sind häufig auch kleiner. Von der Karte bestellen kannst du außerdem hauptsächlich in Restaurants, Bistros bieten meist nur 1-3 Tagesgerichte an. Du brauchst allerdings keine Angst vor einem kulinarischen Kulturschock haben. Viele Zutaten und Zubereitungen wirst du so vielleicht noch nicht kennen, hinterher aber umso mehr lieben. Allerdings solltest du hierzu Französischkenntnisse mitbringen, denn darauf, dass man in der Gastronomie Englisch mit dir spricht, solltest du dich nicht verlassen. Ubrigens: Die Verpflegung in deinem Jugendcamp wird natürlich weit weniger ausgefallen sein. Hier triffst du auch auf alte Bekannte. Trotzdem solltest du die Gelegenheit nutzen, die französische Gastronomie einmal kennenzulernen.

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