Reiseführer Frankreich

Der große Nachbar im Westen ist jedem Deutschen bekannt. Mit dem Namen Frankreich verbinden sich Lebensart, Mode, ausgezeichnetes Essen, Wein und Sekt. Trotzdem ist das Land fremd. In unseren Schulen wird Französisch meist erst als zweite Fremdsprache angeboten, es gibt Verständigungsprobleme. Dabei waren Deutschland und Frankreich mal ein Land. Der berühmteste deutsche Kaiser war auch französischer Kaiser. Frankreich ist gigantisch, es ist mit Abstand das größte westeuropäische Land und das drittgrößte Land Europas, nur Russland und die Ukraine sind größer. Der höchste Berggipfel der Alpen, der Mont Blanc, ist genauso typisch französisch wie die Atlantikküste, der Ärmelkanal und die Mittelmeerküste.

Römer, Gallier und Germanen

Die Franzosen legen großen Wert auf die keltischen Vorfahren, obwohl das große Land im Süden von Phöniziern besiedelt wurde und nur vom Norden her keltische Stämme einwanderten. Der gallische Hahn ist bis heute ein Symbol für Frankreich. Die Römer nannten das Land Gallien, Galli ist das lateinische Wort für Kelte. Bis heute verehren die Franzosen den Averner Vercingetorix als Nationalheld.

Nach der Phase der römischen Besetzung wanderten immer mehr germanische Franken aus dem Westen ein. Die heute dort lebenden Franzosen dürften daher eher auf diese Einwanderer zurückgehen, die sich im Gebiet des heutigen Frankreich und in Wallonien mit den Kelten vermischten und eine galloromanische Volkssprache entwickelten. Du solltest diese Tatsache in Frankreich zumindest älteren Franzosen gegenüber nicht erwähnen. Der Name des Reichs geht auf jeden Fall auf diesen germanischen Stamm zurück. Übrigens: Franke bedeutet “der Freche, der Mutige oder der Kühne“, diese Definition gefällt den Franzosen gut.

Der französisch-deutsche Kaiser

Dieser Kaiser war ein Franke, genauer gesagt stammte er aus dem Haus der Karolinger. Karl Martell ist der Namensgeber des Hauses. Er erlangte Ruhm, weil er den Vormarsch der Araber an den Pyrenäen stoppen konnte. Er nannte seine beiden Söhne übrigens Karl und Karlmann, Karl hatte wiederum zwei Söhne, die diesen Namen trugen. Im Jahr 768 wurden die beiden Enkel Karl Martells zu Königen gesalbt. Nach dem Tod Karlmanns wurde Karl der alleinige König der Franken. In der Folgezeit vergrößerte er das Reich weiter nach Osten. Das Frankenreich reichte von der Elbe bis zum Atlantik, von der Nordsee bist nach Süditalien. Da der Papst einen so mächtigen Herrscher als Beschützer brauchte, krönte er Karl den Großen im Jahr 800 zum Kaiser. Somit galt das Frankenreich als Nachfolger des Weströmischen Reichs. Da dieses Reich später in Frankreich und Deutschland zerfiel, beanspruchen beide Länder Karl den Großen als ihren Kaiser. Die Kaiserwürde blieb aber in Deutschland.

In der wechselvollen Geschichte des Landes ist seitdem viel geschehen. Ein anderer Franzose versuchte, das Reich wieder nach Westen auszudehnen. Auch er wurde Kaiser, und seine Herrschaft veränderte Europa bis heute nachhaltig. Die Rede ist von Napoleon. Er war aber nur Kaiser der Franzosen. Dafür reichte sein Reich bis nach Russland und nach Ägypten.

Typische französisch – was ist das?

Das Land ist groß und vielfältig. Typisch für Frankreich ist eine Vorliebe für gutes Essen und ein sehr reglementierter Umgang mit der Sprache. In den verschiedenen Regionen werden viele unterschiedliche Sprachen gesprochen, aber es gibt nur eine Amtssprache. Diese entwickelte sich aus francien, der Sprache, die im Mittelalter im Bereich der heutigen Île-de-France gesprochen wurde. Über die Sprache wacht das Institut français. Auch gibt es eine Reglementierung, nach welcher fremdsprachige Begriffe in die Sprache einfließen dürfen. Insgesamt werden englische Einflüsse abgelehnt. In Frankreich wirst du wenige englische Titel im Radio hören, auch in Discos wird oft französische Musik gespielt.

Essen ist wie in keinem anderen Land der Welt ein Teil der Kultur. Die französische Küche (Cuisine française) ist wegen ihrer Qualität und Vielseitigkeit berühmt. Wenn du in einem französischen Restaurant isst, wird dir aber noch etwas anderes auffallen. Die Franzosen essen langsam und mit Genuss. Auch ein einfaches Mittagessen hat mehrere Gänge. Der Genuss ist wichtig. In den Firmen sind Mittagspausen von 2 Stunden keine Seltenheit. Viele kleine Geschäfte sind von 12 bis 14 Uhr geschlossen, dafür kannst du oft bis tief in die Nacht einkaufen. Beides, Sprache und die Gastronomie, sind es wert, genauer betrachtet zu werden.

Umgang mit der Sprache

Die meisten Franzosen sind stolz auf Ihre Sprache und erwarten von dir, dass du sie auf Französisch ansprichst. An den Küsten sprechen aber die Einheimischen oft Deutsch und Englisch. Es ist ein Akt der Höflichkeit, wenn du zumindest auf Französisch grüßt. Mit dem Satz “Je parle français ainsi qu'une vache espagnole“ kannst du das Eis brechen. Denn niemand erwartet von dir, dass du eine Sprache sprichst, die du so gut beherrschst wie eine Kuh die spanische Sprache.

Das französische Schulsystem

In Frankreich beginnt die Schulpflicht mit dem 6. Lebensjahr und dauert bis zum 16. Die meisten Franzosen schicken die Kinder ab dem 2. Lebensjahr in die Vorschule. Das Bildungssystem ist auf Selektion ausgelegt, daher besuchen nur wenige Franzosen ein Gymnasium, sondern gehen auf eine berufsbildende Schule. Im Süden des Landes lernen die meisten Kinder Spanisch, im Rest des Landes meist Englisch. Lediglich in den Gebieten, die an Deutschland angrenzen, wird meist Deutschunterricht angeboten.

Vorsicht beim Umgang mit französischen Wirten

Der Wirt ist ein unangefochtener Herrscher in seinem Reich. Er, als der Patron, bestimmt, ob er dich bedient. Wenn du ins Lokal stürmst und dir mit deinen Freunden den besten Tisch aussuchst, wirst du schnell vor die Tür gesetzt. Der Patron führt dich zu deinem Tisch. Wenn du höflich fragst, wo du sitzen darfst, bekommst du oft die Antwort, dass du dir einen Platz aussuchen darfst.

Wenn du dein Essen bekommst, greife nie sofort zum Salz- und Pfefferstreuer, generell beleidigt Nachwürzen den Koch, also mache es dezent. Generell schätzen die Franzosen unauffälliges Verhalten bei Tisch. Schlürfen beim Essen, Blasen in die Suppe oder wer sich riesige Portionen von der Käseplatte genehmigt, bekommt Ärger. Übe ein wenig den Gebrauch von Messer und Gabel, denn man erwartet von dir, dass du auch Obst damit isst. Der Wirt stellt übrigens eine Rechnung für den gesamten Tisch aus. Bestimmt vor dem Besuch des Lokals, wer bezahlen soll. Gebt demjenigen am besten schon vorher das Geld, damit er nicht beim Begleichen der Rechnung erst sammeln muss. Denkt auch an ein Trinkgeld.

Was bekommst du wo?

In einem Café bekommst du eine große Auswahl an Getränken, aber keinen Kuchen. Gleiches gilt für das Bistro und die Bar. Diese Lokale sind Treffpunkte der Franzosen und ideal um Kontakte zu knüpfen. Im Salon de Thé gibt es auch Kuchen. Sofern du nicht versehentlich ein “Baiser“ bestellst, kannst du dort relaxen und eine der süßen Spezialitäten genießen. Das Gebäck heißt in Frankreich “Meringue“, das andere Wort ist eine äußerst primitive Anmache.

Im Restaurant gibt es Hauptgerichte. Kuchen ist ein Nachtisch und wird meist nur als solcher serviert. Auch wenn du nur ein Getränk zu dir nehmen willst, bist du im Restaurant am falschen Ort.

Jugendreisen nach Frankreich

Die meisten Jugendreisen haben das südliche Frankreich als Ziel. Dort ist das Wetter im Sommer angenehmer als im Norden, wo du mit Stürmen und Regen rechnen müsstest. Die Atlantikküste ist ein großartiges Surfrevier, daher kommen im Sommer Jugendliche aus ganz Europa in diese Region. In Le Pin Sec triffst du immer auf Jugendliche, die das Surfen und andere Wassersportarten lieben. Die Pyrenäen sind ideal, wenn du Abenteuer suchst. Dort kannst du klettern oder mit dem Mountainbike fahren. Wenn du wärmeres Wasser schätzt, wird dir ein Camp bei Narbonne gefallen. Das Mittelmeer ist ruhiger und wärmer als der Atlantik. Hier kannst du Windsurfen, Segeln und Surfen.

Witziges und Amüsantes zum Schluss

Falls du in Frankreich ein Schwein siehst, nenne es auf keinen Fall Napoleon. Das ist eine Beleidigung. Unklar ist, ob damit die Nation, der Kaiser oder das Tier beleidigt wird. Immerhin war der große Kaiser Korse und kein Franzose, er ist italienischer Abstammung. Du kannst auch auf andere überraschende Art mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Küssen ist in Bahnhöfen und in Zügen verboten. Damit sind natürlich nicht die Begrüßungsküsse auf die Wange gemeint.

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